Wie sicher ist Abu Dhabi für alleinreisende Frauen?

Annes Frage:

Hallo Sarah, meine Schwester und ich planen einen Urlaub in der Wüstenstadt und würden gerne wissen, ob wir als 2 Frauen ohne männliche Begleitung bedenkenlos nach Abu Dhabi reisen können. Eine wirklich aussagekräftige Antwort findet man dazu im Internet leider nicht. Daher würden wir gerne auf Deine Erfahrung zurück greifen. Vielleicht kannst Du uns ja auch Tipps geben, auf was wir achten müssten, wenn wir alleine unterwegs wären?

Meine Antwort:

Hallo liebe Anne, selbstverständlich können Frauen allein in die Arabischen Emirate reisen, ohne sich um ihre Sicherheit Sorgen machen zu müssen! Eine Ausnahme ist mir derzeit bekannt, dazu gibt es im letzten Abschnitt des Artikels mehr Informationen.

Ich war zwar bisher überwiegend in männlicher Begleitung in Dubai und Abu Dhabi, habe mich aber stets (egal ob am Strand, auf den Straßen oder in den Malls) und zu jeder Tageszeit supersicher gefühlt und hatte nie den Eindruck, dass das nur deswegen so ist, weil mein Mann oder mein Papa in diesem Moment dabei ist. Ich habe aber auch schon für kurze Zeit allein dort im Hotel gewohnt und bin auch allein Taxi gefahren und in der Mall gewesen – alles kein Problem!

In den Emiraten haben sie eine der weltweit niedrigsten Kriminalitätsraten, das könnt Ihr auf den Seiten des Auswärtigen Amtes nachlesen! Und dadurch, dass die Geschlechtertrennung dort ja noch so kultiviert wird, ist es für Männer ja in der Regel ein noch größeres Tabu als hier, Frauen „doof anzumachen“. Die Einheimischen werden Euch also nicht dumm kommen, weil es Teil ihrer Kultur ist, quasi einen „höflichen, d.h. respektvollen Sicherheitsabstand“ zu den Frauen einzuhalten.

Die vielen Expats (Gastarbeiter) mit denen Ihr als Touristinnen wahrscheinlich in den Shops, Restaurants und Hotels weitaus eher zu tun haben werdet, können es sich auch noch aus einem anderen Grund gar nicht erlauben, Frauen zu belästigen: Sonst ist schnell Knast angesagt und ihre Arbeitserlaubnis in Gefahr und sie werden auf Nimmerwiedersehen abgeschoben!

Außerdem ist überall Sicherheitspersonal, ob am Strand oder in den Malls, das nervt manchmal schon fast. Dieses ist natürlich nicht deswegen dort, weil andernfalls sofort Übergriffe auf Touristinnen stattfinden würden, sondern die Guards haben unter anderem die Aufgabe, das für uns kaum verständliche Verlangen nach Privatsphäre der Emiratis zu gewährleisten. Die gilt gerade für die einheimischen Frauen. Selbst, wenn sie in Gruppen (mit ihren Kids) unterwegs sind, möchten sie sichergehen, dass Ihnen wirklich jeder Art der unerwünschten Kontaktaufnahme (das können schon Blicke sein!) durch Männer erspart bleibt – und darüber wacht die Security unter anderem.

Was haben also Frauen (das gilt natürlich auch Touristinnen, die sich respektvoll verhalten und kleiden!) in einer solchen Umgebung zu befürchten, wo Single-Männer gewisse Strandabschnitte nie besuchen dürfen, wo es für vieles einen Ladies-Tag in der Woche gibt und wo  sogar von Frauen gesteuerte Taxen nur für Frauen und Busse mit für Damen reservierten Sitzreihen herumfahren? Es gibt sogar eine Regel, die es Männern verbietet an gewissen Abschnitten der Strandpromenade zu sitzen, damit sich die einheimische Damenwelt nicht durch Blicke beläsigt fühlt! Vorbeigehen dürfen sie, sich aber nicht aufhalten… 😉

Ihr könnt also beruhigt auch nachts allein mit dem Taxi fahren, selbst wenn ihr kein sogenanntes Ladies- oder Familiy-Taxi ergattern konntet. Die Fahrer tragen alle Uniform und haben Ihre ID-Karten sichtbar am Armaturenbrett befestigt. Überall stehen Telefonnummern, die man anrufen kann, wenn man mit der Taxifahrt unzufrieden war. Sowas gibt es in Deutschland nicht!

Viel Kontakt mit Männern werdet Ihr gar nicht haben, außer vielleicht im Hotel, wo natürlich einige im Service arbeiten. Ich fand es immer interessant, zu beobachten, dass – wenn man als Paar im Hotel wohnt – immer nur der Mann von männlichen Hotelangestellten angesprochen wird, selbst wenn klar wird, dass die Frau in dem Moment mehr Ahnung von der Situation oder die besseren Sprachkenntnisse hat. Dennoch bedeutet das selbstverständlich nicht, dass man Angst haben muss, dass man als Alleinreisende im Hotel bei Fragen, Wünschen und Problemen keine Hilfe bekommt. Die Angestellten dort sind ja nicht von gestern und wissen, dass es für uns normal ist, auch als Frau allein zu reisen.

Tut Euch (und den Leuten dort) aber den Gefallen und kleidet Euch nicht auffallend sexy. Miniröcke, bauchfreie Tops, Hotpants und sowas wie transparente Blusen über nem Bikinitop etc. würde ich weglassen. Auch wenn Ihr so etwas anziehen würdet, würde sicher nichts geschehen, aber dann wird schon mal eher verächtlich oder auch lüstern geschaut. Oder wenn es ganz dumm läuft, fühlt sich eine Einheimische in ihren Gefühlen verletzt und bittet den Sicherheitsdienst, Euch wegzuschicken. Schließlich ist es in den Emiraten ja noch immer etwas eher Ungewöhnliches, wenn Frauen derart gekleidet herumlaufen (auch wenn ihr sicher welche sehen werdet, die so nach draußen gehen). An vielen Orten wie in den Malls oder in der Ferrari World beispielsweise wird im Eingangsbereich auf Schildern auch extra um „respectable clothing“ gebeten.

Am besten lasst Ihr auch die Finger von zu viel Alkohol. Die Chance ist wirklich miniklein, aber sollte eine grobe Belästigung oder Schlimmeres stattfinden, könnte das Opfer in den VAE eine Mitschuld zugesprochen bekommen, wenn es betrunken war. Ein paar wenige prominente Fälle waren ja schon in den Schlagzeilen. Alkohol ist dort aus religiösen Gründen nicht erlaubt, die Hotels schenken aber dennoch welchen für die Touristen aus und die Expats nicht-muslimischer Herkunft können Bier und Wein in Spezialshops mit einer Lizenz erwerben.

Den Tipp, den ich häufiger in Reiseführern gelesen habe, dass alleinreisende Frauen einen Ring tragen und sich eine Story zurechtlegen sollten, um bei Fragen glaubhaft versichern zu können, dass man verheiratet sei und Mann und Kinder in der Nähe sind, halte ich für völlig übertrieben. Ich war jetzt dreimal dort und habe noch keine Situation erlebt, in der auch nur annährend ähnliche Fragen gestellt werden könnten. Wenn es Euch aber beruhigt, könnt Ihr ja so ein Spielchen spielen.

Es ist mir wichtig, an dieser Stelle jedoch noch etwas hinzufügen, auch wenn ich die Erfahrung (zum Glück!) nicht selber gemacht habe: Vom Camel Souk in Al Ain berichten einige Frauen, dass sie sich dort bedrängt gefühlt haben. Nicht nur waren die einfachen Viehhändler in Bezug auf Trinkgelder aufdringlich, sondern schafften auch mit Blicken, Gesten und/oder schlimmstenfalls sogar Berührungen (etwa: Arm umlegen) beim gemeinsamen Posieren mit Kamel für ein Foto eine unangenehme Atmosphäre. Ich war selber schon zweimal in Al Ain – jedoch noch nicht auf dem Viehmarkt – und habe in der Stadt selbst keine auch nur annährend ähnlichen Erlebnisse sammeln müssen.

In diesem Zusammenhang fällt mir aber eine Situation – auch im Kontakt mit einem ungebildeten Arbeiter außerhalb der Städte – ein, die ich hier kurz schildern möchte: An einer Tankstelle in der Wüstenödnis stieg ich kurz aus dem Wagen aus, um mir die Beine zu vertreten. Eine weitere Mitreisende, die im Auto saß, wollte aus dem Wagen heraus ein Foto von mir machen: Ich muss wohl direkt vor einem der Tankwarte gestanden haben, ohne es zu merken, jedenfalls fühlte der sich angesprochen als die Fotokamera in seine Richtung zeigte und ging wie selbstverständlich davon aus, dass er mit auf das Bild solle. Er stelle sich gutgelaunt und scherzend promt neben mich und legte mir posierend für den Schnappschuss den Arm um die Hüfte. Ich war viel zu perplex und er viel zu gut drauf als dass ich ihn in der Situation hätte wegscheuchen können. Heute weiß ich, dass ich darauf hätte bestehen sollen, ohne ihn fotografiert zu werden. Nach dem Fotoshoot ging er auch sofort wieder, es ist also nichts Wildes passiert, aber unangehem war mir das Ganze doch etwas…

Dennoch: Nach wie vor bleibe ich dabei, dass Euch in den großen Städten keine Belästigungen erwarten, auch nicht in Al Ain. Ich habe weder in Abu Dhabi City noch in Dubai noch in Al Ain irgendwas erlebt, was mich als Frau verstört hätte. Und ich bin sehr empfindlich, was sowas angeht, deswegen ist mir auch die eben geschilderte Geschichte mir dem unfreiwilligen gemeinsamen Foto noch im Kopf. Dennoch:  Vorsicht beim Souk in Al Ain, hier kann es unter Umständen ungemütlich für alleinreisende Frauen werden, vor allem wenn sie nicht sehr taff und unvorbereitet sind. Auch auf den Souks in Dubai bekommt man mal Zurufe, jedoch verletzten die bei mir noch nie eine Grenze, auch wenn sie durchaus nervten. Die Verkäufer dort lassen sich auch wieder schnell abschütteln – sind ja noch genug andere Touristen da.

Ansonsten gilt: Sucht nicht unnötig Kontakt mit den Hilfsarbeitern an Baustellen, Tankstellen etc. Ich sage das nur vorbeugend, eigentlich gibt es überhaupt keinen Grund, warum Ihr das tun solltet und keine Situation, in der Ihr das tun müsstet. Mein Erlebnis mit dem Foto war ja wahrscheinlich nur ein dummes Missverständnis, denn ich wollte ja gar nicht, dass er mit aufs Bild kommt, während er das ganz anders aufgefasst hat… Man muss sich halt Folgendes ins Gedächtnis rufen: Diese Arbeiter kommen u.a. aus den Armutsgebieten Pakistans etc. und sind demnach oft nicht sehr gebildet, gelangweilt, einsam und im Denken rückwärtsgewandt. Zudem sind sie den ganzen Tag und die ganze Nacht nur mit ihren anderen männlichen Kollegen zusammen, was in seltenen Fällen sicher in „unnötiger Überschwänglichkeit“ gegenüber Frauen resultieren kann, insbesondere, wenn sie irrtümlich denken, dass die Frau Kontakt sucht.

Sarah
Werde Fan!

Sarah

In Luxus-Hotels residieren. Durch Sanddünen wandeln. Dem Muezzin-Ruf lauschen. Die Hitze aushalten. Arabische Vorspeisen genießen. Architektonischen Wahnsinn bestaunen. Abu Dhabi lieben! 🙂
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6 Gedanken zu „Wie sicher ist Abu Dhabi für alleinreisende Frauen?

  1. Ich finde es äußerst interessant, warum ein Urlaubsziel, in welchem frauen- und menschenverachtende Gesetze gelten und deren Verstöße mit Grausamkeit geahndet werden, für doch so viele Menschen attraktiv sind.

    1. Hi Meike, interessanter Einwurf, danke dafür. Ich möchte Dich einladen, das Thema einmal kurz aus meinem persönlichen Blickwinkel zu betrachten: Was Du jetzt schreibst, klingt freilich sehr drastisch, aber: Die Arabischen Emirate sind nicht Saudi-Arabien, sondern haben sich der westlichen Welt schon sehr (!) weit geöffnet. Indem wir hinreisen, signalisieren wir denen, dass wir diese Entwicklung (die selbstverständlich nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist) gutheißen. Außerdem bekommen die Menschen dort durch unsere touristischen Besuche mit, wie unser westlicher Lebensstil ausschaut und sie lernen, dass man uns trotz der Tatsache, dass wir als emanzipierte Frauen allein oder in wilder Ehe lebend verreisen etc. nicht verteufeln muss, weil wir es dennoch verstehen, uns respektvoll gegenüber der fremden Kultur zu verhalten. Es ist wie ein persönlicher Beitrag zur Völkerverständigung. Man kapselt sich nicht mit moralisch erhobenem Zeigefinger ab, sondern geht möglichst vorurteilsfrei hin und zeigt respektvoll, dass es auch anders geht.

      Ich hatte ja auch erst Deine Sorgen, aber wenn man die Lage vor Ort mal gesehen hat, bewertet man vieles anders, glaub mir. Das heißt nicht und niemals, dass ich die Scharia-Gesetzgebung unterschreibe, aber zum Beispiel habe ich gelernt, dass das Bild von der unterdrückten Frau mit Kopftuch sehr wohl gerade in Bezug auf die wohlhabenden Emiraten definitiv auch zum Klischee verkommen kann – wobei hier natürlich stets die Einzelfallbetrachtung gefragt ist. Wir kultivieren dieses Bild, während wir allzu gern vergessen, dass auch unsere Gesellschaft noch immer eine von Männern dominierte ist. Die kulturellen Gegebenheiten in den arabischen Ländern sind etwas, was wir mit unserem kulturellen Background nur ganz schwer nachvollziehen können – ich bin da keine Ausnahme. Aber ich möchte mich nicht verschließen und abwerten, ohne mir selbst ein Bild gemacht zu haben, also fahre ich hin, beobachte und bemühe mich um Konsens oder – einfach durch mein Auftreten als selbstbewusste westliche Frau – um Dialog.

      Man muss immer auch bedenken, dass die muslimischen Frauen die Gesetze, die sie aus unserer Sicht benachteiligen, ggf. gar nicht anzweifeln, einfach weil sie über Generationen hinweg so erzogen wurden. Für viele sind da keine oder keine frappierenden Widersprüche. Sie sind so aufgewachsen und sie haben ein nach ihren Maßstäben erstrebenswertes Leben, in dem es auch finanziell gut geht. Das ist natürlich trotzdem nicht ok so, weil diejenigen, die irgendwann doch mal einen Widerspruch spüren, es sehr schwer haben, auszubrechen. Aber ich will sagen: In ihrem Alltag stellt die Gesetzeslage für viele gar keine Einschränkung/Behinderung dar. Und wir stellen uns ja gern immer Frauen vor, die täglich unsagbar unter der drückenden Last der Benachteiligung leiden.

      Ich frage mich dann auch immer: Was nutzt es den vielen Menschen, die in der Touristikbranche dort arbeiten, wenn ich nicht mehr hinfahre, weil ich mit der Landespolitik nicht konform gehe? Und wo fahre ich dann überhaupt noch hin? Türkei, Bali, Tunesien kommen dann als muslimische Länder auch nicht mehr in Frage. Wähle ich Amerika, wo die Schwarzen noch immer den Kürzeren ziehen und die menschenverachtende Todesstrafe ebenfalls noch nicht abgeschafft ist? Oder Osteuropa, wo es zum Beispiel Homosexuelle und politisch Anderdenkende sowie ethnische Randgruppen auch nicht leicht haben? Oder Thailand, wo eine Militärregierung Oppositionelle schikaniert?

      Da könnte man noch ewig weiterschreiben… Letztlich lautet die Frage auch schlicht: Ist es wirklich eine Strategie, alle Ecken der Welt – und mögen sie noch so schön sein für einen Urlaub – außen vor zu lassen, weil die Gesetze sich von den unsrigen negativ unterscheiden? Das muss dann wohl jeder für sich selbst entscheiden. 🙂

      Ich hoffe, ich konnte Dir näherbringen, warum ich persönlich dennoch so gern dort hinreise.

  2. Ich glaube nicht dass man in Abu Dhabi Märchen erfinden muss um sich aufdringliche Männer vom Hals zu halten. Korrekte und nicht zu aufreizende Kleidung wird es auch machen. Wie man eben in den Wald hineinruft, so schallt es eben auch wieder hinaus.

    1. Hallo Daniel, da gebe ich Dir vollkommen recht – deswegen hab ich ja auch geschrieben, dass ich diesen Tipp für übertrieben halte. Wenn es aber die eine oder andere alleinreisende Dame beruhigt, so mag sie sich ja ruhig eine Geschichte vom vorhandenen, wenn auch just in diesem Moment nicht anwesenden Mann zurechtlegen. Das könnte durchaus in einigen Situationen weltweit helfen, egal, ob die Dame in Deutschland allein in einer Hotelbar hockt und hartnäckig angebaggert wird oder ob sie als Backpackerin in Peru ihr Zelt aufschlägt und im Angesicht nahender Räuber laut einen Männernamen ruft… 🙂

  3. Hallo Sarah, mein Mann und Ich werden im Februar für 4 Tage in Abu Dhabi sein.
    Meine Frage: Wir würden gerne eine Wüstentour machen, allerdings
    bin ich mit meinem Magen sehr empfindlich. Ich habe gelesen, dass die Fahrer beim sogenannten Dune bashing sehr rasant fahren. Gibt es auch eine Wüstentour , die etwas softer ist ? Kannst du mir jemand empfehlen, der so eine Tour anbietet.
    lg

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